Auch das jüngste Konzert der „Gitarrenmusik im Gewölbekeller“ brach nicht mit der Serie der in der letzten Zeit durchweg von hoher künstlerischer Qualität geprägten Reihe des Weimarer Gitarrevereins. Diesmal gastierte der mit ersten Preisen überhäufte russische Gitarrist Vladimir Gorbach in der Stadtbücherei.
Bereits der erste Programmpunkt erweckte die Neugier des Publikums. Virtuos und mit Esprit kam das Rondoletto des italienischen Klassikers Mauro Giuliani daher; leichtfüßig, mit detailreichen dynamischen Abstufungen, vom Künstler vor allem im Bereich des Piano überaus kultiviert eingesetzt. Möglich auch, dass es die konsequent deutliche, aber dennoch unaufdringliche Artikulation war, die dem Stück die Luftigkeit verlieh, die so manch anderem Klassik-Kracher bisweilen fehlt.
Von ausgefeilter Artikulation lebt natürlich auch jede Barockmusikinterpretation, besonders aber die Transkriptionen der sich unter Gitarristen immer größerer Beliebtheit erfreuenden Scarlatti-Sonaten. Gorbach konnte einen Großteil der oben erwähnten Leichtigkeit auf die drei von ihm ausgewählten Vertreter dieser im Original für Cembalo komponierten Perlen übertragen; allein die Ausarbeitung des komplexen Stimmengeflechts forderte natürlich einen gewissen Tribut.
Ein besonderes Klangerlebnis waren zweifellos die „Collectici Íntim“ des 1979 verstorbenen spanischen Komponisten Vicente Asencio. Über charakteristischen, jeweils der spanischen Folklore entnommenen Rhythmen entfalteten sich mehr oder weniger schlichte Melodien, getaucht in Licht und Schatten spannungsreicher, impressionistischer Harmonien. Durch diesen Rahmen zu einem einheitlichen Ganzen verbunden, war doch jeder einzelne Satz der fünfteiligen Suite ein Schmuckstück für sich, mit verborgener Kraft und Schönheit, und der Interpret verstand dies sehr nuanciert herauszuarbeiten, wenn auch mit leicht technischem Fokus und im Forte bisweilen tonlich nicht mehr ganz so kontrolliert.
Das ursprünglich aus Spanien stammende Folia-Thema ist schon immer eine dankbare Quelle der Inspiration gewesen. So hat sich auch Fernando Sor, klassischer Gitarrekomponist und seinerzeit einer der angesehensten Virtuosen, dem Reiz dieses Themas nicht verschließen können und „seine“ Variationen darüber verfasst. Offenbar genügte dies einem seiner berühmtesten Nachfolger – Miguel Llobet – wohl noch nicht, weshalb dieser das Stück noch um mehrere, zumeist hochvirtuose Zusatzvariationen ergänzte. In Vladimir Gorbach fand er damit einen dankbaren und vor allem überaus geeigneten Interpreten, seine Ideen adäquat umzusetzen. Ob rasante Tonleitern, Flageolets, Tremolo oder nur mit der linken Hand gespielte Melodien - Freunde des Virtuosentums kamen bei diesem das Konzert beschließende Stück einmal mehr auf ihre Kosten.
Das nächste Gitarrenkonzert wird vom „Chile-Gitarrenquartett“ gestaltet und findet am 24.10.2009 wiederum im Gewölbekeller der Stadtbücherei statt.
Reinhard Jungrichter