Einen Konzertabend mit ausschließlich romantischer Musik bot der Weimarer Gitarreverein am vergangenen Samstag, 18.03.2006 im Gewölbekeller der Stadtbücherei. Mit „Wiener Schmäh“, wie es im Programmheft hieß, präsentierte die Wiener Gitarristin Brigitte Zaczek Werke von J.K. Mertz und N. Coste.

 

Musizierend auf einem historischen Instrument mit wunderbar tragfähigem Klang, gelang es ihr trotz gekonnter Spielweise nicht, über die teils wenig gehaltvolle Musik hinwegzutäuschen. Auch wortreiche Erläuterungen zwischen, sowie kurze verbale Einwürfe während der Stücke halfen da nicht, sondern störten den Fluß und erinnerten zudem eher an eine Konzerteinführung.

 

Dabei wäre jedes Stück für sich genommen durchaus in der Lage gewesen, ein gemischtes Konzertprogramm zu bereichern, in dieser Häufung jedoch verlor die Musik schnell ihren Reiz. Wohlgemerkt, die Künstlerin spielte virtuos und musikalisch, allein die Stücke verlangten nach einem anderen Rahmen. In der Atmosphäre eines Wiener Kaffeehauses, bei gedämpfter Unterhaltung und einer Melange wären sie sicher besser zur Geltung gekommen.

 

Daß ein Teil des Publikums durch Bravo-Rufe Zugaben forderte und auch erhielt, während ein anderer bereits den Gewölbekeller verließ, beweist wieder einmal, wie unterschiedlich die Geschmäcker sein können.

 

R. Jungrichter