Es
war nicht das erste Konzert, dass das „Cuarteto de guitarras de Chile“ im
Gewölbekeller der Stadtbücherei gab. Nicht nur, dass das Ensemble hier schon
einmal 2004 im Rahmen der Konzertreihe des Weimarer Gitarrevereins e.V. zu Gast
war, auch die einzelnen Mitglieder sind hier jeweils schon – teils mehrfach -
solistisch aufgetreten. Vor diesem Hintergrund dürfte sich das Konzert am
vergangenen Samstag für Luis Mancilla, Rodrigo Guzmán, Sebastián Montes und
Luis Orlandini wie ein Heimspiel angefühlt haben.
Zu
Beginn des Programms erklang die oft und gern bearbeitete Nussknacker-Suite von
Peter I. Tchaikowsky. Sogleich war zu spüren, dass hier absolute Profis am Werk
waren: Das Abwechslung garantierende, auflockernde Verteilen von Melodien
zwischen den einzelnen Spielern oder das Übergeben von langen Läufen an die
nächste Stimme gelang durchweg routiniert und klanglich recht homogen. Höchst diszipliniert
wusste sich jeder einzelne in das große Ganze einzugliedern und zurückzunehmen;
fast ersehnte man hier und da ausbrecherische Impulse Einzelner als wohltuendes
Aufbegehren gegen mühsam im Zaum gehaltene Individualität.
Gleich
darauf im Anschluss erklang ein dem Quartett gewidmetes Werk des Landsmannes
Santiago Vera, welches nach sehr vielversprechendem Beginn sich leider nicht
recht entwickeln wollte und auch schon wieder vorbei war, noch bevor die
letzten Nachklänge der allzu populären Nussknacker-Suite aus den Köpfen der
Zuhörer vollständig verschwunden waren. Spätestens aber mit den darauf
folgenden ausgesprochen volkstümlichen Bearbeitungen zweier traditioneller
chilenischer Lieder wurden letzte eventuell noch ohrwurmartig herumgeisternde
Überbleibsel der Ballettmusik dann aber restlos getilgt.
Der
zweite Teil des Konzerts brachte neben einem weiteren Werk eines chilenischen
Zeitgenossen noch quartetteigene Transkriptionen von Bartóks „RumänischeTänzen“,
sowie - einen schönen Bogen zum Eingangsstück spannend - die Ballettsuite
„Estancias“ des Argentiniers Alberto Ginastera. Beide Werke hätte man sich bei
aller ausgeklügelten Feinheit des Arrangements durchaus noch kraftvoller, erdiger
vorstellen können; vielleicht spielte aber auch hier die Konzentration auf den
anspruchsvollen Notentext inklusive komplizierter Percussioneffekte und das nicht
unberechtigte Streben nach Synchronität des Zusammenspiels eine zu
vordergründige Rolle.
Am
28.11.2009, dem nächsten Konzerttermin der Reihe des Weimarer Gitarrevereins
e.V., wird der Lautenist Frank Pschichholz gemeinsam mit der Sopranistin Maria
Skiba u.a. Lieder aus John Dowlands „Second book of songs“ zu Gehör bringen.
Reinhard Jungrichter