Dass  künstlerische Qualität der Darbietung gepaart mit hohem Unterhaltungswert, und nicht ein spektuläres Programmkonzept ausschlaggebend für einen gelungenen Konzertabend sind, zeigte sich wieder einmal am vergangenen Samstag beim Konzert von Damien Lancelle im Gewölbekeller der Stadtbücherei Weimar. Denn diesem Anspruch konnte der französische Gitarrist in jeder Hinsicht voll und ganz genügen - andernfalls hätte das Publikum den Künstler am Schluss auch nicht erst nach der zweiten Zugabe entlassen.

 

Bereits im Eröffnungsstück offenbarten sich nicht nur des Solisten technische und tonliche Qualitäten, sondern einmal mehr die besondere Eignung des Büchereigewölbes als Spielort für Gitarrenkonzerte, denn vollklingend und warm, aber dennoch brillant und klar erklang Bachs Präludium, Fuge und Allegro BWV 998, so dass es schien, als hätten Interpret und Örtlichkeit sich immer schon gesucht und nun endlich gefunden. Die Musik umschmeichelte geradezu die Ohren der Zuhörer, und abgesehen von einigen wunderlichen Fermaten im ersten Satz und zwei, drei im spielerischen Überschwang doch recht kurzatmigen Halbschlüssen im dritten war das Zuhören ein wahrer Genuss vom ersten bis zum letzten Ton.

 

Dieses angenehme Hörgefühl wusste der Künstler auch in Francisco Tárregas Opernfantasie über Verdis „La Traviata“ den Zuhörern weiterhin überzeugend zu vermitteln; seine Fähigkeit zur feinsten klanglichen Differenzierung innerhalb eines komplexen Stimmengeflechts kam aber vor allem in den beiden darauf folgenden Albéniz-Transkriptionen erst richtig zum Tragen. Hier überließ Lancelle nichts dem Zufall, kein noch so schwieriger Wechsel störte den Spielfluss; allein dem zweiten der beiden Stücke hörte man zu Beginn ein wenig die schwere gitarristische „Handarbeit“ an.

 

Auch nach der Pause musste das Publikum keinerlei Qualitätseinschränkungen hinnehmen. Hier stachen vor allem das Thema mit Variationen nebst Finale des mexikanischen Komponisten Manuel Ponce hervor. Nicht unerwähnt bleiben darf daneben die für Spieler und Publikum gleichermaßen anspruchsvolle Sonate 2 des zeitgenössischen Komponisten Dušan Bogdanovič, die sich als hochinteressant und vor allem im zweiten Satz durch die Flageolettmelodie als klanglich sehr reizvoll erwies. Sie beschloss einen rundum gelungenen Konzertabend eines Künstlers, von dem in Zukunft sicher noch einiges zu hören sein wird.

 

Das nächste Konzert des Gitarrevereins wird ein besonderer Leckerbissen der diesjährigen Veranstaltungsreihe: Am 15.05.2010 spielt das  „Weimarer Gitarrenquartett“, bestehend aus den Professoren und Dozenten der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ im Gewölbekeller der Stadtbücherei.

Reinhard Jungrichter