Duos
in der Besetzung Gitarre und Mandoline kennt man heutzutage nur sehr wenige.
Das Duo Consensus, dass am vergangenen Samstag im Gewölbekeller der
Stadtbücherei spielte, sollte allerdings unbedingt dazugehören.
Nicht nur, dass Christian Laier an der Mandoline und
Karoline Kumst an der Gitarre ihre jeweiligen
Instrumente meisterhaft beherrschen, auch in kammermusikalischer Hinsicht sind
sie mitnichten ein Gelegenheitsensemble. Bereits ihre Wahl des Instrumentariums hinsichtlich größtmöglicher aufführungspraktischer
Authentizität zeugen von großer Ernsthaftigkeit und Respekt vor der
Musik. So kamen im hauptsächlich von Alter Musik geprägten ersten Teil des
Konzerts Nachbauten barocker Instrumente zum Einsatz, im
zweiten spanisch-südamerikanischen Teil hingegen deren „modernen“
Geschwister.
Eine
Perle der ersten Häfte war ohne Zweifel die Sonate
d-Moll Domenico Scarlattis. Nuancenreich und dynamisch hervorragend
herausgearbeitet musizierte Christian Laier die
Melodielinien; jede Verzierung erhielt ihre ihr zustehende Bedeutung, jeder
Lauf war sauber ausgeführt, während Karoline Kumst in
wohlabgestimmter Balance behutsam, aber
temperamentvoll nicht einfach nur Continuo spielte,
sondern als Begleiterin erfrischend aktiv mitwirkte und mitgestaltete.
An
den Variationen op. 281 von Carlo Munier zeigte sich kurz
vor der Pause nicht nur die virtuose Vergangenheit der Mandoline, sondern
einmal mehr und ganz besonders die Virtuosität des Interpreten Christian Laiers. Die Komposition verlangte einiges von ihm ab; bravourös
meisterte er jedoch jegliche technische Hürde, und ob des etwas einseitigen
kompositorischen Focus’ auf die Mandolinenstimme verkam seine Begleiterin
unfreiwillig fast schon zur Randfigur, bevor sie sich
im Forte des gemeinschaftlich zum furiosen Höhepunkt gebrachten Finales wieder
in ihrer rechtmäßigen Rolle behaupten durfte.
An
den Charme des ersten Teils, dessen Gesamtklang maßgeblich durch das silbrig-anmutige
Timbre der beiden „alten“ Instrumente beeinflusst wurde, konnte die zweite
Hälfte des Konzerts mit ihren eher populären südländischen Kompositionen merkwürdigerweise
nicht ganz anknüpfen. Hier schienen sich beide Instrumente und deren jeweilige
Parts klanglich nicht so selbstverständlich wie im ersten Teil aneinander schmiegen
zu wollen. Das Duo musizierte in der Gesamtheit zwar künstlerisch wie technisch
wie gewohnt auf höchstem Niveau, vor allem in den langsameren Abschnitten
jedoch nicht mehr ganz so intensiv und ausdrucksstark. Die schnellen Sätze
Astor Piazzollas „Histoire
du tango“ hingegen gerieten wiederum ausgesprochen
mitreißend und kraftvoll.
Reinhard Jungrichter