Ein Orchesterkonzert mit Gitarre im Gewölbekeller der Stadtbücherei? Dank moderner Technik mit Lautsprecherboxen und Computer kein Ding der Unmöglichkeit, wie die rund 50 Besucher des Konzerts des Weimarer Gitarrevereins am vergangenen Samstag erstaunt und zunächst durchaus amüsiert feststellen mußten.
Zum Saisonabschluß der Konzertreihe spielte der in der Schweiz lebende Gitarrist Jens Stibal unter anderem das berühmte „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo. Den Orchesterpart übernahm dabei eine CD-Aufnahme, auf der die Solostimme fehlte. Zum Einstudieren und Üben ist dies durchaus eine gängige Praxis; um so weniger erscheint sie für einen Konzertabend geeignet. Hier geht es ja gerade um die Authentizität der Darbietung, um das Erlebnis eines Live-Konzerts.
Die Unzulänglichkeiten wurden denn auch sofort deutlich. Der Gitarrist hatte arge Mühe, sich den schleppenden Tempi des Konserven-Orchesters anzupassen, mußte seinen Spielfluß immer wieder bremsen, um nicht davonzueilen und konnte dadurch keine rechte Spannung erzeugen.
Zweifellos beherrscht Jens Stibal sein Instrument, das hatte er schon bei den vorangegangenen Solostücken bewiesen.
Die Werke von Villa-Lobos, Barrios, Rudnev und Ponce erklangen zwar in etwas eigenwilliger, zuweilen hektisch und willkürlich wirkender Interpretation, jedoch technisch sicher. Dabei drohten allerdings oft gerade die schnellen Passagen in ein undefinierbares Nuscheln abzugleiten.
Das Konzert wird dem Publikum sicherlich in Erinnerung bleiben, fraglich erscheint jedoch, ob es sinnvoll ist, ein solches Halbplayback-Konzert aufzuführen, und ob der Zweck hier die Mittel heiligt.
Konzert 19.11.05
Rezension aus TLZ vom ................