Mit John Dowlands „Second Booke of Songs and Ayres“ aus dem Jahr 1600 beendete der Weimarer Gitarreverein e.V. am vergangenen Samstag seine diesjährige Konzertreihe im Gewölbekeller der Stadtbücherei Weimar. Dargeboten wurde diese musikalische Perle des ausgehenden Renaissancezeitalters von der Sopranistin Maria Skiba, begleitet von Frank Pschichholz auf der Laute.

Nicht nur das Publikum bedurfte zunächst einer kurzen Eingewöhnungszeit, bevor die Mauern des alten Gewölbes allmählich den Geist der ja um 1600 schon im Abklingen begriffenen Epoche gleichsam zu atmen begannen und widerklingend einen passenden Rahmen schufen für die teils quälend melancholischen Lieder des europaweit bedeutendsten Lautenisten seiner Zeit.

Dass die Sammlung, deren Teile textlich die unglückliche Beziehung des Earl of Essex zur damaligen englischen Königin Elisabeth I. thematisieren, von den beiden Künstlern als Zyklus ähnlich Schuberts „Schöner Müllerin“ verstanden und aufgeführt wurde, trifft zwar den Nerv des heutzutage in dieser Beziehung zu Recht anspruchsvollen Publikums, entspricht aber wahrscheinlich weniger der historischen Aufführungspraxis oder gar der Intention des Komponisten. Erklärende Zwischentexte zu Inhalt und Zeitgeschehen, sowie die clevere Gliederung der doch beachtlich langen Liedliste in Zweier- oder Dreiblöcke schufen jedoch eine durchaus interessante Auflockerung. Vielleicht hätten obendrein einige eingeschobene rein instrumentale Werke Dowlands die respektable und mit Bedacht gewählte Aufführungskonzeption nicht nur nicht zerstört, sondern vielmehr sogar noch zur Abwechslung der naturgemäß sehr gleichförmigen Abfolge des musikalischen Materials beigetragen. Glücklicherweise hatte jedoch Dowland höchstpersönlich in weiser, wenn auch höchstwahrscheinlich ungewollter Voraussicht ein paar leichtere, tänzerische Lieder in seine Sammlung einfließen lassen, deren musikalische Darbietung sogleich in erfrischender Art und Weise auflockernd lebendig wirkte. Hier war plötzlich nicht nur eine größere stimmliche Wandlungsfähigkeit und ansprechendere Interpretationskraft der unbestreitbar stilsicheren Sopranistin zu bemerken, auch der spieltechnisch über jeden Zweifel erhabene Lautenist trat etwas aus seiner Konzentriertheit und über weite Strecken doch sehr introvertiert wirkenden Begleiterrolle heraus in so etwas wie kammermusikalische Interaktion mit seiner diesbezüglich ansonsten oft auf sich allein gestellten Partnerin. Diese Mischung sorgte dann letztlich für ein stimmungsvoll-stimmiges Konzert mit einigen Höhepunkten, aber auch kleineren Längen.

Reinhard Jungrichter