Elektronisch verstärkten Klängen konnten die Besucher des
Konzerts des Weimarer Gitarre-Vereins am vergangenen Samstag lauschen. Der deutsche
Gitarrist Ro Gebhard brachte mit Jazzgitarre samt zugehörigem Equipment im
Gewölbekeller der Stadtbücherei eigene Arrangements zu Gehör. Zitate aus
populären lateinamerikanischen Gitarrenkompositionen bildeten nicht allein die
Themen und Improvisationsgrundlagen der verschiedenen Stücke, sondern schufen
darüber hinaus auch die Verbindung zu
der konzeptionell eher klassisch geprägten Konzertreihe.
Das zahlreich erschienene Publikum hörte beispielsweise gleich zu Beginn eine sehr bekannte Etüde des kubanischen Komponisten Leo Brouwer mit einem ungewohntem, für Jazz und Fusion jedoch so typischem Verstärkerklang. War es nun der Halleffekt oder die zwar hochvirtuose, im klassisch-gitarristischen Sinne aber beinahe schon undeutliche Spielweise Gebhards, die die einzelnen Töne verschwimmen ließ und zu einem Klangteppich verwob? Oft bildete dieses Geflecht jedenfalls die Grundlage für ausgedehnte Improvisationen. Mit Hilfe sogenannter Loops - elektronischer Endlosschleifen - war es dem Interpreten möglich, sein Spiel per Fußpedaldruck aufzunehmen, anschließend so oft wie gewünscht wiederzugeben und somit gleichsam übergangslos vom Thema in den Improvisationsteil und zurück zu wechseln. Interessant war hier zweifellos die Überlagerung mehrerer solcher Schleifen, wie der Künstler sie im Laufe des Konzerts einige Male darbot. Hier kombinierte er ein Thema, meist eine Harmoniefolge, mit zusätzlichen melodischen Einwürfen, perkussiven Elementen, einer per Effektgerät künstlich in die Tiefe oktavierten Basslinie und einer sich darüber aufbauenden Improvisation. So erzeugte er den Eindruck einer ganzen Band. Dieses Gestaltungschema wiederholte sich allerding so häufig, dass eine gewisse Abwechslungslosigkeit unvermeidbar wurde, die nur durch Gebhards Versuche, das Publikum miteinzubeziehen, ein wenig aufgelockert wurde. Die Zuhörer ließen sich aber durchaus begeistern und dankten nicht nur zum Schluss mit herzlichem Applaus.
R. Jungrichter