Mit Sebastián Montes als Solisten erlebten die Besucher der Konzertreihe „Gitarrenmusik im Gewölbekeller“ am vergangenen Samstag in der Stadtbücherei ein Konzert von ausnehmend hoher Qualität. Ein derartiges Zusammentreffen von Musikalität und sensiblem Tonempfinden, gepaart mit einer unaufdringlichen, wie selbstverständlichen Virtuosität und dazu noch einem ausnehmend gut klingenden Instrument erlebt der Konzertbesucher nicht oft.

Von Beginn an fesselnd, bestritt der symphatische junge Künstler, der in seiner Heimat Chile längst kein Unbekannter mehr ist, den ersten Teil ausschließlich mit Werken lateinamerikanischer Komponisten. Die interessante, gemäßigt moderne Komposition seines Landsmannes Horacio Salinas wie auch die nicht minder klangvollen venezolanischen Lieder Vincente Sojos - die Stücke schienen dem Gitarristen wie auf den Leib geschrieben, sämtlich geeignet, seine spielerischen Qualitäten besonders hervorzuheben. Einzig das zeitgenössische „Gandhara“ hätte durchaus noch ausdrucksstärkere, extremere Dynamik vertragen können.

Die bemerkenswerte Klangkultur des Interpreten fand auch im inhaltlich kontrastierenden zweiten Teil ihre angemessene Fortsetzung. Zwei Kompositionen des zu seiner Zeit in ganz Europa berühmten englischen Lautenisten John Dowland bildeten die Über- oder vielmehr Einleitung zu Benjamin Brittens „Nocturnal“, einem auf einem berühmten Lied Dowlands basierenden und, wie der Künstler zu Recht anmerkte, zentralen Gitarrenwerk des 20. Jahrhunderts. Respektabel auch hier Montes’ Fähigkeit, bei konsequenter Tonschönheit den Bogen über die sich steigernde motivische Verdichtung bis hin zum erlösenden, sich gleichsam aus dem Zitatknäuel herausschälenden Dowland-Original zu ziehen.

Das nächste Konzert der Reihe „Gitarrenmusik im Gewölbekeller“ veranstaltet der Weimarer Gitarre-Verein e.V. am 29. März 2008. Dann wird der japanische Gitarrist Masao Tanabe zu hören sein.

R. Jungichter

Vita